Illustration: an ID card next to a shield with a check mark

Personal in der Ukraine unter Kriegsrecht: militärische Registrierung, Reservierung und mobilisierte Mitarbeitende

Regeln geprüft am 14. September 2026. Unter Kriegsrecht ändern sich die Regeln häufig — jeder Abschnitt nennt, wo Sie die aktuelle Fassung prüfen.

Wenn Sie in der Ukraine Personal beschäftigen, bringt das Kriegsrecht Pflichten mit sich, die es sonst nirgends in Europa gibt: Sie führen Unterlagen zur militärischen Registrierung, stehen gegenüber den territorialen Rekrutierungszentren in der Pflicht, entscheiden, ob wichtige Mitarbeitende von der Mobilisierung freigestellt (reserviert) werden können, und müssen mit Mitarbeitenden umgehen, die einberufen werden. Dieser Beitrag erklärt, was heute gilt und was Sie einrichten sollten.

1. Das Kriegsrecht wird in Schritten von 90 Tagen verlängert

Kriegsrecht und allgemeine Mobilisierung gelten seit Februar 2022. Das Parlament verlängert beides jeweils um 90 Tage; der aktuelle Zeitraum läuft bis zum 31. Oktober 2026, und vor seinem Ende wird eine weitere Abstimmung erwartet. Solange das Kriegsrecht gilt, gelten auch die arbeitsrechtlichen Sonderregeln des Gesetzes Nr. 2136-IX.

Aktuelles Enddatum prüfen: rnbo.gov.ua und zakon.rada.gov.ua.

2. Die militärische Registrierung ist Pflicht des Arbeitgebers

Jeder Arbeitgeber in der Ukraine, der Wehrpflichtige, Einberufungspflichtige oder Reservisten beschäftigt, muss Unterlagen zur militärischen Registrierung führen — unabhängig von den Eigentumsverhältnissen, ausländische Tochtergesellschaften eingeschlossen. In der Praxis betrifft das vor allem die Männer im mobilisierungsfähigen Alter in Ihrer Belegschaft. Das Verfahren regelt der Beschluss Nr. 1487 des Ministerkabinetts der Ukraine vom 30. Dezember 2022.

Was das für Sie bedeutet:

Pflicht Frist
Militärisches Registrierungsdokument der mitarbeitenden Person prüfen Bei der Einstellung — ein elektronisches Dokument aus Reserve+ oder Diia wird akzeptiert
Das territoriale Rekrutierungszentrum (TCC) über eine Einstellung, eine Entlassung oder eine Änderung der Registrierungsdaten einer mitarbeitenden Person informieren Innerhalb von 7 Tagen
Mitarbeitende melden Änderungen ihrer eigenen Registrierungsdaten, die sich nicht aus staatlichen Registern übernehmen lassen Innerhalb von 7 Tagen nach der Änderung
Ihre Unterlagen mit dem TCC abgleichen Mindestens einmal jährlich, nach dem mit dem TCC vereinbarten Zeitplan
Ein aktuelles Verzeichnis der wehrpflichtigen Mitarbeitenden mit den Angaben zu ihren Dokumenten führen Laufend

Außerdem benennen Sie eine verantwortliche Person für die militärische Registrierung und leiten Einberufungsbescheide an Mitarbeitende weiter, wenn Sie dazu angewiesen werden.

Was sich 2026 geändert hat: Mit dem Beschluss Nr. 812 vom 10. Juni 2026, in Kraft seit dem

  1. Juni 2026, hat die Umstellung dieser Verfahren auf digitale Wege begonnen. Abgleich und

Datenaktualisierung wandern auf das Diia-Portal und in das staatliche Register der Wehrpflichtigen (Oberig). Papierunterlagen sind nicht verschwunden, und Arbeitgeber haben noch keinen direkten Zugang zum Register.

Bußgelder: Verstöße gegen die Registrierungsregeln fallen unter Artikel 210 des Gesetzbuchs über Ordnungswidrigkeiten, Verstöße gegen das Mobilisierungsrecht unter Artikel 210-1. Während des Kriegsrechts — einer „Sonderperiode“ — betragen die Bußgelder:

Wehrpflichtige Einzelpersonen Funktionsträger eines Unternehmens
Sonderperiode (Kriegsrecht) UAH 17.000–25.500 UAH 34.000–59.500

Die Bußgelder werden gegen die Unternehmensleitung oder die für die Registrierung verantwortliche Person verhängt, nicht gegen das Unternehmen selbst. Ein Bußgeld muss ordnungsgemäß festgestellt werden: Gerichte haben Strafen aufgehoben, wenn das Rekrutierungszentrum zum Beispiel nicht nachweisen konnte, dass ein Einberufungsbescheid tatsächlich zugestellt worden war. Eine versäumte Frist führt daher nicht automatisch zu einem Bußgeld — bewahren Sie aber für jede Meldung, die Sie senden, einen Nachweis auf.

Was das für die Einstellung bedeutet. Nach unserer Erfahrung ist die militärische Registrierung über den Arbeitgeber der Hauptgrund, warum viele männliche Fachkräfte im mobilisierungsfähigen Alter lieber als Einzelunternehmer (FOP) arbeiten als im Anstellungsverhältnis. Diese Präferenz ändert nichts am rechtlichen Maßstab: Ist das Verhältnis der Sache nach eine Beschäftigung, kann es umqualifiziert werden — siehe unseren Beitrag „Ihre ersten Mitarbeitenden in der Ukraine: eigene Gesellschaft, Employer of Record oder Auftragnehmer?“.

Aktuelle Regeln prüfen: Beschluss Nr. 1487, Gesetzbuch über Ordnungswidrigkeiten.

3. Reservierung: wichtige Mitarbeitende vor der Mobilisierung schützen

Nur ein Unternehmen mit dem Status als kritisches Unternehmen — oder eines, das unter eine Verteidigungskategorie fällt — kann die Reservierung, also die Freistellung von der Mobilisierung, für einen Teil seiner wehrpflichtigen Mitarbeitenden beantragen. Reservierte Mitarbeitende werden für die Dauer der Reservierung nicht einberufen. Die Regeln stehen im Beschluss Nr. 76 des Ministerkabinetts der Ukraine vom 27. Januar 2023, dem am häufigsten geänderten Dokument in diesem Bereich.

Um als kritisch eingestuft zu werden, muss ein Unternehmen die Pflichtvoraussetzungen und mindestens eine weitere Voraussetzung erfüllen:

  • Immer erforderlich: ein durchschnittlicher Bruttolohn der versicherten Mitarbeitenden im vorangegangenen Kalendermonat von mindestens drei Mindestlöhnen — das Zweieinhalbfache bei Unternehmen, die in Gebieten möglicher oder laufender Kampfhandlungen ansässig und tatsächlich tätig sind — sowie keine Steuerrückstände.
  • Zusätzlich mindestens eines der folgenden Kriterien:
Zusätzliches Kriterium Maßstab
Steuern und Beiträge Mehr als der Gegenwert von EUR 1,5 Mio. im Berichtsjahr, ohne Zollzahlungen
Deviseneinnahmen Mehr als der Gegenwert von EUR 32 Mio. pro Jahr, ohne Kredite und Darlehen
Strategische Bedeutung Aufnahme in die staatliche Liste strategisch wichtiger Unternehmen
Branchenkriterien Erfüllt die Kriterien des für die Branche des Unternehmens zuständigen Ministeriums
Regionale Kriterien Erfüllt die Kriterien der regionalen Militärverwaltung
Diia City Residenzunternehmen im Diia-City-Regime

Branchenkriterien sind kein einheitlicher Maßstab: Jedes Ministerium legt eigene fest, und sie müssen zur tatsächlichen Haupttätigkeit des Unternehmens passen. Das Geschäft einer günstigen, aber sachfremden Branche zuzuordnen, ist ein Risiko.

So funktioniert es: Das Unternehmen stellt den Antrag über das Diia-Portal mit seiner qualifizierten elektronischen Signatur. Die Reservierung wird für bis zu 12 Monate gewährt, in der Regel für bis zur Hälfte der wehrpflichtigen Mitarbeitenden; höhere Anteile gelten in bestimmten Fällen, etwa in der Rüstungsproduktion und in frontnahen Gebieten. Alle reservierten Mitarbeitenden müssen ordnungsgemäß registriert sein, aktuelle Daten haben und dürfen nicht vom Rekrutierungszentrum gesucht werden. Seit dem 1. September 2026 muss zusätzlich der eigene monatliche Bruttolohn jeder reservierten Person mindestens das Dreifache des Mindestlohns betragen (das Zweieinhalbfache in Gebieten mit Kampfhandlungen). Überschreitet ein Unternehmen seine Quote, hat es zehn Arbeitstage Zeit, über Diia die Aufhebung der überzähligen Reservierungen zu beantragen. Die Reservierung endet automatisch, wenn das Unternehmen den Status als kritisches Unternehmen verliert, wenn die reservierte Person ausscheidet oder wenn ihr Lohn unter den Schwellenwert fällt.

Die Reservierung hebt die Registrierungspflichten der Mitarbeitenden nicht auf: Ein Rekrutierungszentrum kann reservierte Mitarbeitende weiterhin auffordern, zur Klärung von Daten zu erscheinen.

Wer wen reservieren kann. Die Reservierung ist an den rechtlichen Arbeitgeber gebunden, nicht an das Projekt, an dem jemand arbeitet:

Konstellation Wer die Person reservieren kann Voraussetzung
Direkt bei Ihrem Unternehmen angestellt Ihr Unternehmen Ihr Unternehmen hat den Status als kritisches Unternehmen
Bei einem Employer of Record angestellt Nur der Employer of Record Der Employer of Record selbst hat den Status als kritisches Unternehmen
Einzelunternehmer (FOP) mit Dienstleistungsvertrag Niemand über Ihr Unternehmen Die Reservierung durch den Arbeitgeber gilt nicht für Auftragnehmer

Eine Regel, die Unternehmen in ausländischem Eigentum ausschließt, haben wir nicht gefunden.

Was sich 2026 geändert hat:

  • 2. Juni 2026: Der Beschluss Nr. 692 vom 30. Mai 2026 ist in Kraft getreten. Er hat das Durchschnittslohn-Kriterium für das Unternehmen auf das Dreifache des Mindestlohns angehoben, die Zehn-Tage-Frist für die Aufhebung von Reservierungen über der Quote eingeführt und die Ministerien verpflichtet, ihre Branchenkriterien bis zum 10. Juni 2026 neu zu genehmigen.
  • 3. Juli 2026: Mitarbeitende mit einem Aufschub aus anderen Gründen sowie Mitarbeitende, die zusätzlich in Nebenbeschäftigung bei einem anderen kritischen Unternehmen arbeiten, werden nur an einem Arbeitsplatz auf die Reservierungsquote angerechnet — dort, wo sie am längsten beschäftigt sind.
  • 10. August 2026: Frist für Unternehmen, eine bestehende Entscheidung über den Status als kritisches Unternehmen zu erhalten, indem sie eine Bescheinigung über den Durchschnittslohn und ihre letzte Steuermeldung einreichen (Beschluss Nr. 862 vom 1. Juli 2026).
  • 1. September 2026: Das Dreifache des Mindestlohns gilt für den Lohn jeder reservierten Person; bestehende Entscheidungen über den Status als kritisches Unternehmen, die nicht erneut geprüft wurden, sind spätestens zu diesem Datum erloschen.

Was Sie tun sollten: Prüfen Sie nach jeder Änderung, ob Ihr Durchschnittslohn und der Lohn jeder reservierten Person die Schwellenwerte weiterhin erreichen und ob Ihr Status nicht erloschen ist — mit dem Erlöschen entfallen alle Reservierungen auf einmal.

Aktuelle Kriterien und Schwellenwerte prüfen: Beschluss Nr. 76, Beschluss Nr. 692, Diia-Dienste zur Reservierung.

4. Wenn Mitarbeitende mobilisiert werden

Mobilisierte Mitarbeitende behalten ihren Arbeitsplatz und ihre Position, bis das Kriegsrecht endet oder bis sie aus dem Dienst entlassen werden (Arbeitsgesetzbuch, Artikel 119). Seit Juli 2022 muss der Arbeitgeber während des Dienstes nicht mehr den Durchschnittsverdienst weiterzahlen; eine Ausnahme gilt für Lehrkräfte und wissenschaftliches Personal. Die Arbeitsplatzgarantie entfällt nur nach einer rechtskräftigen Verurteilung wegen einer Militärstraftat.

Aktuelle Regeln prüfen: Arbeitsgesetzbuch.

5. Weitere arbeitsrechtliche Regeln unter Kriegsrecht

  • Aussetzung des Arbeitsvertrags ist nur möglich, wenn der Arbeitgeber keine Arbeit bereitstellen kann und die mitarbeitende Person sie nicht ausführen kann; der Krieg allein ist kein Grund, wie der Oberste Gerichtshof im Januar 2026 bestätigt hat. Während der Aussetzung zahlt der Arbeitgeber nichts. Seit dem 14. März 2026 ist eine einseitig angeordnete Aussetzung auf insgesamt 90 Tage begrenzt; alles darüber hinaus erfordert die Zustimmung beider Seiten. Eine rechtswidrige Aussetzung kann mit einer Nachzahlung für den gesamten Zeitraum enden.
  • Jahresurlaub: Unter Kriegsrecht kann der Arbeitgeber den Jahresurlaub auf 24 Kalendertage begrenzen. Am 19. Mai 2026 hat das Verfassungsgericht entschieden, dass diese Begrenzung verfassungswidrig ist, soweit sie Minderjährigen und Menschen mit Behinderungen ihren längeren bezahlten Urlaub verwehrt (Entscheidung Nr. 3-р/2026); für sie gilt wieder der volle gesetzliche Urlaub.
  • Kündigung während des Urlaubs oder der Krankschreibung der mitarbeitenden Person ist unter Kriegsrecht zulässig, außer während des Mutterschafts- oder Elternurlaubs.

Aktuelle Regeln prüfen: Gesetz Nr. 2136-IX.

6. Dienstreisen ins Ausland

Männer zwischen 23 und 60 Jahren dürfen die Ukraine während des Kriegsrechts nicht verlassen, sofern keine Ausnahme greift; Männer zwischen 18 und 22 Jahren dürfen es. Reservierte Mitarbeitende eines kritischen Unternehmens können für eine echte Dienstreise ins Ausland reisen, doch die Reservierung ist kein automatisches Recht auf den Grenzübertritt — der Staatliche Grenzschutzdienst entscheidet anhand der Dokumente im Einzelfall.

Stellen Sie ein vollständiges Dokumentenpaket zusammen:

  • einen gültigen Reisepass für Auslandsreisen;
  • das aktuelle militärische Registrierungsdokument mit seinem überprüfbaren elektronischen Status;
  • einen Nachweis über eine aktive Reservierung;
  • einen Nachweis, dass der Arbeitgeber derzeit den Status als kritisches Unternehmen hat;
  • eine Dienstreiseanordnung mit Zielland, Daten, Geschäftspartner oder Veranstaltung, Zweck und der reisenden Person;
  • die Unterlagen, die den Zweck belegen: Einladung, Vertrag, Tagesordnung eines Treffens, Messeanmeldung oder Korrespondenz mit dem Kunden.

Stellen Sie die Anordnung vor der Abreise aus, achten Sie darauf, dass alle Daten übereinstimmen, vermeiden Sie vage Zwecke wie „Treffen in der EU“ und dokumentieren Sie die Rückkehr. Buchen Sie keine nicht erstattungsfähigen Reisen in der Annahme, dass die Ausreise erlaubt wird.

Aktuelle Regeln prüfen: Regeln für den Grenzübertritt, Beschluss Nr. 57, dpsu.gov.ua.

Checkliste für ausländische Arbeitgeber

  1. Benennen Sie die verantwortliche Person für die militärische Registrierung und geben Sie ihr Zugang zu Diia.
  2. Prüfen Sie bei der Einstellung das Registrierungsdokument aller wehrpflichtigen Mitarbeitenden und informieren Sie das TCC innerhalb von sieben Tagen über jede Einstellung, Entlassung und Datenänderung — mit Nachweis.
  3. Nehmen Sie den jährlichen Abgleich mit dem TCC in Ihren Compliance-Kalender auf.
  4. Wenn Sie auf reservierte Mitarbeitende angewiesen sind, prüfen Sie nach jeder Änderung des Beschlusses Nr. 76 erneut den Status als kritisches Unternehmen, beide Lohnschwellen und Ihre Quote — und denken Sie daran, dass nur der rechtliche Arbeitgeber reservieren kann.
  5. Dokumentieren Sie jede Aussetzung eines Arbeitsvertrags: beide Voraussetzungen, die Daten und die Grenze von 90 Tagen.
  6. Planen Sie Dienstreisen männlicher Mitarbeitender mit einem vollständigen Dokumentenpaket.

Wie ClarusApex Sie unterstützen kann

Für die Mitarbeitenden, die bei APEX AV LLC angestellt sind, übernehmen wir bei der Einstellung die militärische Registrierung männlicher Mitarbeitender im mobilisierungsfähigen Alter, führen ihre Registrierungsunterlagen und senden die Meldungen an die Rekrutierungszentren. Wenn Ihre Pläne davon abhängen, Mitarbeitende von der Mobilisierung zu reservieren, bedenken Sie: Nur der rechtliche Arbeitgeber kann reservieren, und nur mit dem Status als kritisches Unternehmen — sprechen Sie mit uns über den aktuellen Stand, bevor Sie damit planen. Für Unternehmen mit eigener ukrainischer Gesellschaft prüfen wir die Registrierungsunterlagen und die Dokumente zum Status als kritisches Unternehmen und richten den Compliance-Kalender ein. Marina Korytnyuk, unsere HR-Direktorin, beantwortet Fragen zu Ihrer Situation innerhalb eines Werktags.

Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und keine Rechtsberatung für Ihren Einzelfall.

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